{"id":34,"date":"2019-02-16T18:32:14","date_gmt":"2019-02-16T18:32:14","guid":{"rendered":"https:\/\/salamico.de\/?p=34"},"modified":"2019-02-16T18:32:14","modified_gmt":"2019-02-16T18:32:14","slug":"wie-das-fleisch-auf-den-teller-kommt-oder-wir-leasen-ein-schaf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salamico.de\/index.php\/wissenshaeppchen\/49-wie-das-fleisch-auf-die-pizza-kommt-oder-wir-leasen-ein-schaf","title":{"rendered":"Wie das Fleisch auf den Teller kommt! Oder: Wir leasen ein Schaf"},"content":{"rendered":"\n<p>Es begann mit einer Liebesgeschichte. Boy meets girl, oder besser gesagt: Carnetarier meets Flexitarier. Diese kulinarisch aufregende Verbindung m\u00fcndete im Dezember 2017 in einer pomp\u00f6sen Hochzeit. Schnell war klar: Das Hochzeitsgeschenk sollte definitiv etwas mit Fleisch zu tun haben und beiden Seiten des Brautpaares gerecht werden. Idealerweise etwas zum Streicheln und zum Spielen, aber eben auch zum Essen. So k\u00f6nnte\u00a0der Gourmet-Br\u00e4utigam das Pr\u00e4sent ebenso genie\u00dfen wie die Braut, die nur Fleisch von Tieren isst, deren Namen sie kannte.<\/p>\n<p>Was also, wenn wir den beiden ein eigenes Tier schenken w\u00fcrden? Eines, das sie von der Geburt an bis in den Tod begleiten k\u00f6nnten? Eines, dem man einen Namen geben, es streicheln, lieb haben und schlie\u00dflich schlachten k\u00f6nnte?\u00a0Klingt makaber. Aber wenn man Fleisch in Form von Steak oder einfach als Belag auf der Pizza konsumieren m\u00f6chte, stirbt daf\u00fcr ein Tier. Dessen sollte man sich bewusst sein. Und wenn ein Tier schon auf dem Teller landen muss, sollte es davor wenigstens ein gutes Leben gef\u00fchrt haben. Da sind wir uns vermutlich alle einig.<\/p>\n<p>Genau das erm\u00f6glichen in der Regel Bio-Bauern, die sich um das Wohl ihrer\u00a0Tiere k\u00fcmmern. Einige von ihnen bieten zudem das Prinzip des Tier-Leasings an. Als wir herausfanden, was Tier-Leasing ist, wurde uns klar: Es war genau das, was wir gesucht haben.\u00a0<\/p>\n<h2>Tier-Leasing: So l\u00e4uft es ab<\/h2>\n<p>Wir haben\u00a0uns also auf die Suche nach einem geeigneten Anbieter gemacht und sind auf den <span>Biohof von Anton Dapont<\/span>\u00a0gesto\u00dfen. Bei Herrn Dapont\u00a0kann man Schweine, Schafe und Rinder leasen. Das Prinzip: Man kann ein\u00a0Tier kurz nach dessen\u00a0Geburt kaufen. Es geh\u00f6rt einem dann gewisserma\u00dfen, bleibt aber im nat\u00fcrlichen Lebensraum des Biohofs im niederbayerischen Egglham und w\u00e4chst bei seiner Familie auf. Zus\u00e4tzlich zum Preis des Tieres selbst\u00a0fallen noch die Kosten f\u00fcr das monatliche Futtergeld an, das man bis zum Tag der Schlachtung entrichten muss.<\/p>\n<p>Zuletzt muss man noch die Rechnung f\u00fcr den Metzger begleichen und am Ende das Tier abholen. Bei den Schafen gibt es noch eine weitere M\u00f6glichkeit des Kaufs, denn: Auch das Fell kann man weiter verarbeiten und gegen ein Entgelt gerben lassen. So kann man sicherstellen, dass wirklich alles vom Tier verwendet wird und nichts im M\u00fcll landet. Wenn es schon stirbt, so soll es sich &#8211; sehr salopp formuliert &#8211; wenigstens gelohnt haben. Gesamtverwertung statt Filetpickerei.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der ganzen Zeit geht es dem Tier gut, zumindest w\u00e4chst es unter hervorragenden Bedingungen aus, ist st\u00e4ndig an der Luft bei seiner Herde, bekommt Essen frei von Kraftfutter \u2013 was sich am Ende auch alles in einer besseren Fleischqualit\u00e4t niederschl\u00e4gt. Die Betreiber des Biohofs, Anton Dapont und seine Lebensgef\u00e4hrtin, unternehmen also alles, damit das Tier\u00a0ein sch\u00f6nes Leben hat \u2013 bis es\u00a0dann beim Schlachter landet.\u00a0<\/p>\n<p>Mit diesem Wissen fuhren wir nach Egglham und suchten uns vor Ort eines der neugeborenen Tiere aus. Die Wahl des Brautpaares fiel auf das einzige Lamm, das komplett schwarz war und nur einen wei\u00dfen Fleck trug. Sein Name: Thea.\u00a0<\/p>\n<h2>Thea wurde ein Familienmitglied\u00a0<\/h2>\n<p>Wir konnten Thea streicheln, und sie\u00a0sogar \u2013 zumindest so lange sie Lust hatte \u2013 auf den Arm nehmen. Gerade f\u00fcr die drei Kinder, die wir bei unserem Bauernhofbesuch dabei hatten, war Thea ein gro\u00dfes Highlight und eine Rechtfertigung f\u00fcr die langweilige anderthalbst\u00fcndige Autofahrt. Wir besuchten\u00a0Thea zu Lebzeiten mehrmals, streichelten sie und a\u00dfen vor Ort jedes Mal\u00a0eine Brotzeitplatte mit verschiedenen Specksorten und nat\u00fcrlich auch Lammfleisch. Alles vom Biohof, alles selbst aufgezogen und verarbeitet.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns alle war Thea auch dann noch pr\u00e4sent, als wir nach unseren Besuchen wieder zu Hause waren. Die Kinder sprachen dr\u00fcber, fragten nach dem L\u00e4mmchen\u00a0und wir Erwachsenen freuten uns schon auf den n\u00e4chsten Besuch. Und nat\u00fcrlich kam immer mal wieder die Idee auf: Man k\u00f6nnte doch die\u00a0heimische Terrasse freir\u00e4umen und Thea einfach dort leben lassen? Nein, das kam am Ende nat\u00fcrlich nicht infrage. Insgeheim\u00a0war uns allen klar, dass Thea auf dem Teller landen w\u00fcrde.\u00a0<\/p>\n<h2>Thea wird geschlachtet\u00a0<\/h2>\n<p>Zehn Monate sp\u00e4ter war es soweit: Es\u00a0kam der Montag, an dem Thea geschlachtet werden sollte. Auch wenn es von vornherein so vereinbart und detailliert geplant war, \u00fcberkam mich ein mulmiges Gef\u00fchl. Thea musste jetzt tats\u00e4chlich sterben. Es mussten schon unz\u00e4hlige Schafe, Schweine, Rinder und H\u00fchner ihr Leben lassen, aber dieses Mal war es anders. Diesmal wurde\u00a0ein Tier get\u00f6tet, weil wir als Quasi-Besitzer\u00a0es so wollten.<\/p>\n<p>Ich hatte keine Schuldgef\u00fchle, es ging aber auch nicht spurlos an mir vor\u00fcber. Vermutlich ist das der Punkt, an dem diese Art der Tierhaltung mit\u00a0anschlie\u00dfender Schlachtung sich vom \u00fcblichen Fleischkauf unterscheidet:\u00a0Dass ein Tierleben sehr viel wert ist, wurde mir hier noch mal deutlicher bewusst. Denn auch wenn es vermutlich der normalste\u00a0Weg ist, ein Tier zu schlachten, ist es doch was anderes, wenn man eine Bindung zum Tier aufgebaut hat, als wenn man an der Supermarkttheke h\u00f6chstens den Fleischereifachverk\u00e4ufer schon seit Jahren kennt. Ich spreche hier aus der Sicht eines bewussten Fleischessers,\u00a0weshalb Vegetarier und Veganer an dieser Stelle bitte Nachsicht haben, dass es hier nicht darum geht, dass man aus R\u00fccksicht auf ein Lebewesen (die alle wertvoll sind!) gar kein Fleisch essen sollte. Sondern darum, wie man sich reflektierter mit dem Fleisch auseinandersetzen kann und sollte, das man konsumiert.<\/p>\n<h2>W\u00fcrden wir es wieder tun?<\/h2>\n<p>&quot;Leasing&quot; eines Tieres mag vielleicht ein seltsamer Begriff sein. Doch auf das Wort selbst kommt es nicht an. Denn egal wie man es nennt. Am Ende sorgt es daf\u00fcr, dass man n\u00e4her dran ist an der Tierhaltung und einem bewusst wird, dass Fleisch nicht in Packungen in der Frischetheke aufw\u00e4chst. Wir alle sind gef\u00fchlt zu weit weg von dem, was in den St\u00e4llen oder auf den Feldern der Landwirtschaft passiert, weshalb\u00a0wir die Wertsch\u00e4tzung von Fleisch, aber auch von Obst und Gem\u00fcse ein St\u00fcck weit verloren haben. Anders ist es wohl\u00a0nicht zu erkl\u00e4ren, warum wir immer\u00a0mehr Lebensmittel sprichw\u00f6rtlich in die Tonne kloppen. Jeden Tag landen pro Kopf 150 Gramm Essensreste im M\u00fclleimer. Aufs Jahr gerechnet sind das <span>mehr als\u00a050 Kilo Lebensmittel pro Person<\/span>. Eine Patenschaft f\u00fcr\u00a0ein Tier einzugehen ist sicherlich ein guter Weg, um wieder besser\u00a0zu verstehen, woher unser Essen eigentlich genau kommt.\u00a0<\/p>\n<p>Ob wir es wieder tun w\u00fcrden, das mit dem Tier-Leasing? Sicherlich! Denn am Ende \u00fcberwiegt nun mal f\u00fcr einen Fleischliebhaber neben der artgerechten Haltung die gro\u00dfartige Qualit\u00e4t des Fleisches. Schlie\u00dflich kam p\u00fcnktlich zu Ostern Thea auf den Tisch. Wir hatten Nackenkoteletts. Butterweich und voller Geschmack. Und so lecker, dass wir beinahe\u00a0vergessen h\u00e4tten, wie\u00a0wir Thea noch Wochen zuvor gestreichelt hatten.\u00a0<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fleisch kann man im Supermarkt kaufen, beim Metzger oder direkt am Bauernhof. Letzteres haben wir ausprobiert und haben ein komplettes Schaf geleast. Was das ist und wie es uns dabei ergangen ist, zeige ich euch in meinem Erfahrungsbericht zum Thema Tier-Leasing .<\/p>\n","protected":false},"author":0,"featured_media":521,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-34","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/salamico.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/salamico.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/salamico.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/salamico.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=34"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/salamico.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/salamico.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/521"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/salamico.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=34"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/salamico.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=34"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/salamico.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=34"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}