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Fleisch kann man im Supermarkt kaufen, beim Metzger oder direkt am Bauernhof. Letzteres haben wir ausprobiert und haben ein komplettes Schaf geleast. Was das ist und wie es uns dabei ergangen ist, zeige ich euch in meinem Erfahrungsbericht zum Thema Tier-Leasing.

Es begann mit einer Liebesgeschichte. Boy meets girl, oder besser gesagt: Carnetarier meets Flexitarier. Diese kulinarisch aufregende Verbindung mündete im Dezember 2017 in einer pompösen Hochzeit. Schnell war klar: Das Hochzeitsgeschenk sollte definitiv etwas mit Fleisch zu tun haben und beiden Seiten des Brautpaares gerecht werden. Idealerweise etwas zum Streicheln und zum Spielen, aber eben auch zum Essen. So könnte der Gourmet-Bräutigam das Präsent ebenso genießen wie die Braut, die nur Fleisch von Tieren isst, deren Namen sie kannte.

Was also, wenn wir den beiden ein eigenes Tier schenken würden? Eines, das sie von der Geburt an bis in den Tod begleiten könnten? Eines, dem man einen Namen geben, es streicheln, lieb haben und schließlich schlachten könnte? Klingt makaber. Aber wenn man Fleisch in Form von Steak oder einfach als Belag auf der Pizza konsumieren möchte, stirbt dafür ein Tier. Dessen sollte man sich bewusst sein. Und wenn ein Tier schon auf dem Teller landen muss, sollte es davor wenigstens ein gutes Leben geführt haben. Da sind wir uns vermutlich alle einig.

Genau das ermöglichen in der Regel Bio-Bauern, die sich um das Wohl ihrer Tiere kümmern. Einige von ihnen bieten zudem das Prinzip des Tier-Leasings an. Als wir herausfanden, was Tier-Leasing ist, wurde uns klar: Es war genau das, was wir gesucht haben. 

Tier-Leasing: So läuft es ab

Wir haben uns also auf die Suche nach einem geeigneten Anbieter gemacht und sind auf den Biohof von Anton Dapont gestoßen. Bei Herrn Dapont kann man Schweine, Schafe und Rinder leasen. Das Prinzip: Man kann ein Tier kurz nach dessen Geburt kaufen. Es gehört einem dann gewissermaßen, bleibt aber im natürlichen Lebensraum des Biohofs im niederbayerischen Egglham und wächst bei seiner Familie auf. Zusätzlich zum Preis des Tieres selbst fallen noch die Kosten für das monatliche Futtergeld an, das man bis zum Tag der Schlachtung entrichten muss.

Zuletzt muss man noch die Rechnung für den Metzger begleichen und am Ende das Tier abholen. Bei den Schafen gibt es noch eine weitere Möglichkeit des Kaufs, denn: Auch das Fell kann man weiter verarbeiten und gegen ein Entgelt gerben lassen. So kann man sicherstellen, dass wirklich alles vom Tier verwendet wird und nichts im Müll landet. Wenn es schon stirbt, so soll es sich - sehr salopp formuliert - wenigstens gelohnt haben. Gesamtverwertung statt Filetpickerei.

Während der ganzen Zeit geht es dem Tier gut, zumindest wächst es unter hervorragenden Bedingungen aus, ist ständig an der Luft bei seiner Herde, bekommt Essen frei von Kraftfutter – was sich am Ende auch alles in einer besseren Fleischqualität niederschlägt. Die Betreiber des Biohofs, Anton Dapont und seine Lebensgefährtin, unternehmen also alles, damit das Tier ein schönes Leben hat – bis es dann beim Schlachter landet. 

Mit diesem Wissen fuhren wir nach Egglham und suchten uns vor Ort eines der neugeborenen Tiere aus. Die Wahl des Brautpaares fiel auf das einzige Lamm, das komplett schwarz war und nur einen weißen Fleck trug. Sein Name: Thea. 

Thea wurde ein Familienmitglied 

Wir konnten Thea streicheln, und sie sogar – zumindest so lange sie Lust hatte – auf den Arm nehmen. Gerade für die drei Kinder, die wir bei unserem Bauernhofbesuch dabei hatten, war Thea ein großes Highlight und eine Rechtfertigung für die langweilige anderthalbstündige Autofahrt. Wir besuchten Thea zu Lebzeiten mehrmals, streichelten sie und aßen vor Ort jedes Mal eine Brotzeitplatte mit verschiedenen Specksorten und natürlich auch Lammfleisch. Alles vom Biohof, alles selbst aufgezogen und verarbeitet.

Für uns alle war Thea auch dann noch präsent, als wir nach unseren Besuchen wieder zu Hause waren. Die Kinder sprachen drüber, fragten nach dem Lämmchen und wir Erwachsenen freuten uns schon auf den nächsten Besuch. Und natürlich kam immer mal wieder die Idee auf: Man könnte doch die heimische Terrasse freiräumen und Thea einfach dort leben lassen? Nein, das kam am Ende natürlich nicht infrage. Insgeheim war uns allen klar, dass Thea auf dem Teller landen würde. 

Thea wird geschlachtet 

Zehn Monate später war es soweit: Es kam der Montag, an dem Thea geschlachtet werden sollte. Auch wenn es von vornherein so vereinbart und detailliert geplant war, überkam mich ein mulmiges Gefühl. Thea musste jetzt tatsächlich sterben. Es mussten schon unzählige Schafe, Schweine, Rinder und Hühner ihr Leben lassen, aber dieses Mal war es anders. Diesmal wurde ein Tier getötet, weil wir als Quasi-Besitzer es so wollten.

Ich hatte keine Schuldgefühle, es ging aber auch nicht spurlos an mir vorüber. Vermutlich ist das der Punkt, an dem diese Art der Tierhaltung mit anschließender Schlachtung sich vom üblichen Fleischkauf unterscheidet: Dass ein Tierleben sehr viel wert ist, wurde mir hier noch mal deutlicher bewusst. Denn auch wenn es vermutlich der normalste Weg ist, ein Tier zu schlachten, ist es doch was anderes, wenn man eine Bindung zum Tier aufgebaut hat, als wenn man an der Supermarkttheke höchstens den Fleischereifachverkäufer schon seit Jahren kennt. Ich spreche hier aus der Sicht eines bewussten Fleischessers, weshalb Vegetarier und Veganer an dieser Stelle bitte Nachsicht haben, dass es hier nicht darum geht, dass man aus Rücksicht auf ein Lebewesen (die alle wertvoll sind!) gar kein Fleisch essen sollte. Sondern darum, wie man sich reflektierter mit dem Fleisch auseinandersetzen kann und sollte, das man konsumiert.

Würden wir es wieder tun?

"Leasing" eines Tieres mag vielleicht ein seltsamer Begriff sein. Doch auf das Wort selbst kommt es nicht an. Denn egal wie man es nennt. Am Ende sorgt es dafür, dass man näher dran ist an der Tierhaltung und einem bewusst wird, dass Fleisch nicht in Packungen in der Frischetheke aufwächst. Wir alle sind gefühlt zu weit weg von dem, was in den Ställen oder auf den Feldern der Landwirtschaft passiert, weshalb wir die Wertschätzung von Fleisch, aber auch von Obst und Gemüse ein Stück weit verloren haben. Anders ist es wohl nicht zu erklären, warum wir immer mehr Lebensmittel sprichwörtlich in die Tonne kloppen. Jeden Tag landen pro Kopf 150 Gramm Essensreste im Mülleimer. Aufs Jahr gerechnet sind das mehr als 50 Kilo Lebensmittel pro Person. Eine Patenschaft für ein Tier einzugehen ist sicherlich ein guter Weg, um wieder besser zu verstehen, woher unser Essen eigentlich genau kommt. 

Ob wir es wieder tun würden, das mit dem Tier-Leasing? Sicherlich! Denn am Ende überwiegt nun mal für einen Fleischliebhaber neben der artgerechten Haltung die großartige Qualität des Fleisches. Schließlich kam pünktlich zu Ostern Thea auf den Tisch. Wir hatten Nackenkoteletts. Butterweich und voller Geschmack. Und so lecker, dass wir beinahe vergessen hätten, wie wir Thea noch Wochen zuvor gestreichelt hatten. 

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